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    PTC Creo vs. SOLIDWORKS – Runde 2

Jul

07

PTC Creo vs. SOLIDWORKS – Runde 2

Hallo, keine Sorge wir diskutieren heute nicht über W. B. Yeats berühmtes Gedicht von 1919. Wir sprechen mal wieder über den Dauerbrenner Creo Parametric vs. SolidWorks. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die erste Runde falls nicht hier ist der Link.

In meinem letzten Blogpost zum Thema Creo Parametric vs. SolidWorks habe ich über die Ursprünge dieser Rivalität geschrieben und mit welcher Perspektive man diese alten Schauermärchen zu sehen hat.

Wie bereits damals angekündigt, folgt heute die „Wiederkehr“ des Themas Creo Parametric vs. SolidWorks.

Ich habe hier ein paar Themen ausgewählt, um zu zeigen, wo Creo Parametric mit Abstand eindeutig besser ist als SolidWorks.

Referenzen

Creo Parametric hat einen grundsätzlich besseren und stabileren Ansatz mit Referenzen umzugehen als SolidWorks. Wenn Sie etwas zwischen einer Referenz und dem Referenzierungsmerkmal einfügen, bleibt die Referenz erhalten. In SolidWorks kann das schon etwas holpern. Wenn sich beispielsweise eine Skizze zu Beginn des Modells befindet und später für ein Konstruktionselement (Feature) verwendet wird, absorbiert das nachfolgende Konstruktionselement (Feature) die Skizze, obwohl Features zwischen den Referenzfunktionen vorhanden sind. Eine Problemdiagnose wird so sehr schwer in SolidWorks. Auch die Möglichkeit, mal kurz nachzuschauen ob eine Änderung machbar ist, ist so nicht ganz ohne. In Creo wiederum ist das so nicht der Fall und ich kann mir aussuchen, wie eine Skizze mit einem Feature verwendet wird. Kanten oder Flächen? In Creo haben Sie die Wahl, was Sie als Referenzen verwenden möchten. In SolidWorks gehen nur Kanten. Wenn man ein sehr robustes Modell erzeugen will kann dies problematisch werden.

Die Möglichkeit grundlegende Änderungen vorzunehmen

Ändern Sie manchmal Modelle? Müssen Sie ein Konstruktionselement (KE) im Modell ändern, das am Anfang des Modellbaums steht? Änderungen können da schon einmal derart fundamental werden. Wer viel mit Design Iterationen oder Änderungsanforderungen zu tun hat, kennt das nur zu gut. Solche Nummern sind im CAD oft ein enormer Aufwand. Hier könnte man lange darüber debattieren, aber es genügt, wenn wir festhalten, dass Creo Parametric die Möglichkeit besitzt, Referenzen neu zuzuweisen, und das geht in SolidWorks schlichtweg nicht. In SolidWorks muss ich die Referenz löschen und anschließend neu erstellen. Das kann teils sehr, sehr umständlich und vor allem Zeit aufwändig sein. Creo Parametric zeigt mir zum Beispiel auch, wo die alten Referenzen waren, auch wenn sie unter Umständen nicht mehr vorhanden sind. Wenn wir jetzt noch hinzufügen, dass Creo Parametric immer seine Originalreferenzen behält, auch wenn diese zum Beispiel durch einen Radius oder eine Fase geändert wurden werden die Vorteile und technische Tiefe von Creo Parametric jedem klar. SolidWorks ändert diese Referenzen nämlich immer basierend auf dem neuesten Feature (Konstruktionselement) - kurz gesagt, eine Verrundung zerstört eine Referenz. Das führt ultimativ dazu, dass bei großen und komplexen Teilen Änderungen in SolidWorks Tage dauern können, während wir in Creo Parametric vielleicht ein paar (KE’s) Features ändern müssen.

Absurd ist, dass in SolidWorks bei umfangreichen Änderungen manchmal Konstruktionselemente einfach nur editiert und wieder geschlossen werden müssen, nur damit das Programm versteht bzw. verarbeitet was es eigentlich schon „wissen“ sollte. Hier besteht deutlicher Nachholbedarf und es zeigt sich bereits in diesen Anwendungsfall sehr deutlich, dass SolidWorks im Vergleich zum Oberklasse-Creo mehr in der Mittelklasse angesiedelt ist was auch Sinn macht da sein großer Bruder CATIA in der Liga von Creo Parametric spielt.

Wie werden Fehler gehandhabt?

Konstruktionselemente (Features oder auch KE’s) schlagen manchmal fehl! Wenn 3D CAD Modelle bearbeitet werden, ändern sich manchmal Referenzen oder andere Dinge. Das führt zu einer erfolglosen Regenerierung von Konstruktionselementen. In parametrischen Systemen ist das notwendig, um die Konstruktionsabsicht zu gewährleisten und liegt in der Natur der Sache (Parametrik). Entscheidend ist wie mit solchen Fehlern umgegangen wird. Creo Parametric hat ein hervorragendes Tool, um mit diesen Fehlern umzugehen. Es zeigt dem Konstrukteur bei fehlgeschlagenen KE‘s, wo die alte Referenz war und, vor allem, wie diese ausgesehen hat. So wird es sehr einfach dieses adäquat zu ersetzen.

Direkte Modellierung

Oft wird gesagt, SolidWorks könnte direkt modellieren. Das stimmt so einfach nicht! Was in SolidWorks so aussieht wie direkte Modellierung, ist in Wahrheit eigentlich eine unbestimmte Skizze! Nur dann sind das Anfassen und Bewegen einer Fläche möglich. Ganz anders sieht es bei Creo Parametric aus. PTC hat vor einigen Jahren CoCreate Modeling gekauft, dem einen oder anderen sicher noch als SolidDesigner bekannt. CoCreate war und ist mit Abstand das beste und führende System unter den direkten 3D CAD Programmen. Heute kennt man es unter Creo Elements/Direct Modeling. Dieses Programm ist ein durchweg direkter Modellierer. Da diese Technologie PTC gehört, ist sie auch in Creo Parametric verfügbar. Man kann hier buntgemischt parametrisch oder direkt arbeiten. Creo ist das egal. Gerade bei importierten Teilen (in Englisch auch „dumb parts“) oder parametrischen Teilen, bei denen die externen Referenzen gebrochen wurden, ist das von großem Vorteil. Der „Flex Teil“ von Creo kann im Grunde alles was auch das alte CoCreate konnte. Ich kannz. B. Geometrie einfach löschen, verschieben oder Muster einfach ändern. Übrigens ist dies auch bei Blechteilen möglich. Ja, in Creo können nicht parametrische, wie z.B. importierte „dumme“ (in Englisch auch „dumb“) Blechteile direkt geändert werden! Und Creo legt noch ein Scheibchen drauf. Wenn ich z. B. eine Geometrie um sagen wir 100 mm ändere, so sind diese 100 mm nun ein Parameter, der sich später einfach ändern lässt oder in allen anderen Funktionen nutzen lässt, die Parameter verwenden. Ich sage da nur: Familientabellenteile aus importierten Step Files.

Es gibt noch eine andere Besonderheit, die kein anderes CAD System kann, von SolidWorks wegen der fehlenden direkten Modellierung ganz zu schweigen. Die Nutzung des „Flex Tools“ bzw. der Einsatz der direkten Modellierung in Creo Parametric hat keine Auswirkung auf die Historie der Konstruktionselemente und diese bleiben bestehen. Alle „direkten“ Änderungen werden ganz einfach als ein separates Konstruktionselement im Modellbaum angezeigt und damit die Mischung zwischen „Parametrik“ und „Direkt“ perfekt mathematisch und topologisch gelöst. Ein Meisterstück des Produktmanagements und der Entwickler von PTC!

So, wieder mal viel Text

Heute haben wir leider nur viel Text. Nichtsdestotrotz ist mal wieder ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht worden, was Creo und SolidWorks angeht. Bitte bedenken Sie wie schon beim ersten Teil: Ich war ein langjähriger SolidWorks User und möchte nicht mehr von Creo Parametric weg. Dazu bietet es einfach zu viel herausragende Funktionalität. In Summe steckt es einfach jedes andere System in die Tasche.

As always, wenn Sie weitere Fragen haben... scheuen Sie sich nicht uns zu kontaktieren. Wir beraten Sie gerne.

Frohes konstruieren,
Hans-Joachim Estler